8 Monate in Uganda
Kaum zu glauben, wie schnell die Zeit vergeht, aber jetzt habe ich tatsächlich schon acht Monate in Uganda verbracht und somit liegen zwei Drittel meines Freiwilligendienstes bereits hinter mir. Seit meinem letzten Bericht vor vier Monaten haben sich einige Dinge verändert, manches ist aber auch unerwartet gleichgeblieben und vor allem sind ganz viele neue andere dazugekommen, davon möchte ich gerne im Folgenden berichten.
Positive Veränderungen und Herausforderungen
Ein Thema für mich ist zum Beispiel die Kommunikation. Zum einen meine Fähigkeiten in der, hier in der zentralen Region Ugandas genutzten, Sprache Luganda. Denn, obwohl im „offiziellen Kontext“, in der Schule, bei der Arbeit, in Geschriebenem eigentlich immer Englisch genutzt wird, verwenden meines Empfindens nach die meisten Menschen untereinander größtenteils Luganda (oder andere lokale Sprachen). Hierbei unterscheidet sich der Anteil in jedem Gespräch und bei jeder Person sehr und hängt meiner Beobachtung nach von persönlicher Präferenz, Bildungsgrad und gleicher/ unterschiedlicher Herkunft („Tribe“ oder Land) der Gesprächspartner ab. Dadurch fällt es mir persönlich aber manchmal schwer „natürlich“ in ein Gespräch einzusteigen oder mit den Kindern bei meiner Arbeitsstelle zu kommunizieren, da diese oft gar nicht oder nur kurz eine Schule besucht haben und demnach kein oder nur wenig Englisch sprechen. Also versuche ich Luganda zu lernen, mithilfe von Lernmaterialien und im Austausch mit FreundInnen, Kindern bei der Arbeit oder ArbeitskollegInnen, die mir meist gern Neues beibringen und Fragen beantworten. Auch wenn ich (immer noch) meinem Gefühl nach viel zu wenig verstehe und ausdrücken kann, habe ich in letzter Zeit deutliche Verbesserungen merken können, freue mich immer sehr, wenn ich mein neues Wissen anwenden kann, und habe viel Motivation mich weiter zu verbessern.
Auch im Bezug auf mein Englisch hat sich einiges verändert. Generell, aber auch besonders seit dem Umzug, ist es viel selbstverständlicher für mich geworden Englisch zu sprechen und ich habe das Gefühl mich besser ausdrücken zu können. Trotzdem fühlt es sich, im Vergleich zu Kommunikation auf Deutsch, (noch) distanzierter und nach „einer etwas anderen Version meiner Persönlichkeit“ an. Dazu kommt, dass ich „ugandisch-englische“ Formulierungen (z.B. „First wait!“) und Gesten (z.B. Nicken mit Augenbrauen-Heben, als Bejahung) besser verstehen kann und auch selber übernommen habe.
Außerdem merke ich, dass ich viele Situationen im Bereich der Sicherheit inzwischen besser einschätzen kann als noch zu Beginn. So weiß ich jetzt besser, wann und welche Maßnahmen notwendig sind, und fühle mich einfach insgesamt wohler. Hier bin ich auch sehr dankbar für die Gemeinschaft mit den anderen Freiwilligen, da ich das Gefühl habe, dass wir sehr gut gegenseitig aufeinander aufpassen und beraten.
Allerdings habe ich auch weiterhin ein paar Herausforderungen. So zum Beispiel mein anhaltendes Gefühl eigentlich immer aufzufallen und Aufmerksamkeit zu bekommen, die mir eigentlich gar nicht zustehen sollte. Diese Aufmerksamkeit ist eigentlich immer „positiv“ und wertschätzend, die sich für mich jedoch meist unverhältnismäßig anfühlen lässt und mich eher in Verlegenheit bringt. Mittlerweile bin ich davon nicht mehr überrascht, aber kann mich trotzdem nicht wirklich daran gewöhnen und finde es manchmal weiterhin schwierig für mich einen Umgang damit zu finden.
Außerdem fallen mir manchmal Meinungsverschiedenheiten mit FreundInnen oder ArbeitskollegInnen schwer. Beispielhaft dafür sind Diskussionen über Religion im Verhältnis zu wissenschaftlichen Fakten oder pädagogische Methoden, bei denen ich mir manchmal unsicher im Umgang mit der Situation bin und mir vielleicht oft das Verständnis für die andere Position fehlt.
Arbeit bei African Hearts
Auch bei der Arbeit sind an allen Arbeitsplätzen ganz viele neue Eindrücke dazugekommen, von denen ich unfassbar viel gelernt habe und für die ich sehr dankbar bin.
Im „girls home“, wo ich weiterhin die meiste Zeit verbringe, habe ich jetzt bisher insgesamt über 45 verschiedene Mädchen kennenlernen dürfen. Mit jeder Einzelnen verbinde ich Erinnerungen an schöne, berührende und witzige Momente und einzigartige Charaktereigenschaften, weshalb ich mich immer wieder gern darauf zurückblicke. In meine Rolle als „Homeschool“-Lehrerin und Freizeitgestalterin finde ich mich weiterhin ein und habe (noch lange) nicht den „perfekten“ Weg gefunden, konnte aber trotzdem schon sehr viel dazulernen.
Außerdem durfte ich bei einem weiteren „resettlement“ dabei sein, also dem Prozess ein Kind wieder zur Familie zurückbringen. Zusammen mit der dafür zuständigen Kollegin und dem 16-jährigen Mädchen, die ursprünglich zum Arbeiten als „maid“ nach Kampala geschickt worden und dann von dort weggelaufen war, sind wir mit Reisebus und Auto, das dort in der ländlichen Gegend als „Bus“ umfunktioniert wird, in ein Dorf in der Nähe von Masaka gefahren. Vor Ort wurde dann ein vermittelndes Gespräch mit der Mutter, den NachbarInnen und der Jugendlichen geführt und ein Beamter der Stadt hat die notwendigen Dokumente unterschrieben. Danach ging es für uns auf selbem Weg wieder nach Hause, bis wir nach einem langen und anstrengenden Tag wieder in Kampala angekommen waren. Der Tag war wieder super spannend für mich, hat mir geholfen, das Ziel der Organisation und die Hintergründe der Kinder weiter zu verstehen, und neue Fragen aufgebracht.
Nach den Schulferien, die wegen den Wahlen, dieses Mal von Anfang Dezember bis Ende Januar waren, begann dann auch das neue Schuljahr. Jetzt unterrichten wir nur noch eine Klasse in Deutsch, die in zwei Teile geteilt wurde und machen so zweimal für jeweils 35 SchülerInnen Unterricht, statt einmal für 70, was deutlich angenehmer ist. Diesbezüglich hat sich eigentlich sonst nicht viel geändert und das Unterrichten macht mir weiterhin sehr viel Spaß. Zudem gucken wir jetzt auch mehr bei anderem Unterricht zu, was ich sowohl wegen der Themen als auch der Methoden der LehrerInnen sehr spannend und lehrreich finde. Auch immer mehr Abläufe und Außerunterrichtliches wie die SchülersprecherInnen-Wahl oder die freiwillige „Brass Band“ kennenzulernen, freut mich sehr.
Auch im Projekt im Slum verbringen wir jetzt mehr Zeit. Inwiefern wir/ich an diesem Ort tatsächlich „nützlich“ sind bezweifle ich, aufgrund der Sprachbarriere und fehlenden Erfahrung, aber da ich jedes Mal von den tollen KollegInnen vor Ort unfassbar viel lernen und erfahren darf, sehe ich den Zweck für mich hier mehr im Verstehen und Lernen, für mich persönlich, aber auch für die Arbeit in den anderen Einsatzstellen.
Ein besonderes Ereignis war die Veranstaltung zum jährlichen „International Day for Street Connected Children“, bei der es für die etwa 500 Kinder und junge Erwachsene medizinische Erstversorgung, Mittagessen und Programm gab. Außerdem gab es die Möglichkeit zum Austausch mit Menschen, die aus verschiedenen Positionen und mit unterschiedlichen Erfahrungen über dieses Thema sprechen konnten. So konnte ich von Vertretern der Hilfsorganisationen, Spendern, „aktuell“ auf der Straße Lebenden und Ehemaligen, die von einer Organisation unterstützt werden/wurden, zahlreiche Perspektiven hören. Dieser eindrucksvolle Tag war sehr interessant, aber aufgrund der für mich stets präsent scheinenden „Ausweglosigkeit“ des komplexen Problems, auch emotional aufwühlend.
Zwischenseminar und Umzug
Zur „Halbzeit“ fand dann Mitte Februar das Zwischenseminar gemeinsam mit den In-Via-Freiwilligen aus Tansania statt. Dort hatten wir hauptsächlich die Möglichkeit uns intensiv untereinander auszutauschen und von den superspannenden und vielfältigen Erfahrungen und Einschätzungen der anderen zu hören. Dadurch konnte ich auch nochmal viel meine eigenen Erlebnisse des letzten halben Jahres hier in Uganda reflektieren und feststellen, was mir bereits gut gefällt, aber auch was ich für die kommende Zeit vielleicht noch ändern und erleben will.
So bin ich dann zu dem Entschluss gekommen, dass ich gerne nochmal den Wohnort wechseln würde, was ich mit Unterstützung unseres Mentors auf ugandischer Seite dann auch in die Tat umsetzen konnte. Also bin ich dann Anfang März in ein Studentenwohnheim inmitten von Kampala gezogen, wo ich nun gemeinsam mit einer Mitbewohnerin in einem Zimmer mit eigenem Balkon und Badezimmer neben, meiner Schätzung nach, mindestens 300 NachbarInnen lebe.
Meine Motivation für den Umzug war es die „deutschen Bubble“, die mit den anderen Freiwilligen zwar auch superschön war, aber nicht das war, was ich mir von einem Jahr in Uganda vorgestellt hatte, zu verlassen, nochmal neue Menschen kennenzulernen und durch eine zentralere Lage, einfacher Dinge unternehmen zu können. Davon ist auch vieles „eingetreten“, so nehme ich jetzt z.B. beim Schwimmtrainings des Teams der Universität teil, habe einige StudentInnen kennengelernt und unternehme mehr selbstständig. Ich bin sehr froh nochmal diesen Schritt gegangen zu sein und nun so viel Neues zu erleben.
Reisen
Im Januar bin ich gemeinsam mit einigen Mitfreiwilligen drei Wochen lang durch Kenia gereist. Für diese Erfahrung und die Möglichkeit, so viele neue Eindrücke zu sammeln und meinen Blick auf Ostafrika zu erweitern, bin ich sehr dankbar.
Auch wenn ich Kenia vergleichsweise eher oberflächlich als Reisende erlebt habe und als „längerer Gast“ in Uganda mit eigenem Alltag mehr Einblicke in verschiedene Lebensrealitäten habe, meine Perspektiven also schon unterschiedlich sind, sind mir direkten Vergleich dennoch ein paar Unterschiede aufgefallen. So zum Beispiel die bessere Infrastruktur, der stärker ausgeprägte Tourismus (mehr touristische Angebote;
internationale und einheimische Touristen) und die spürbare Präsenz des muslimischen Einflusses in Richtung der kenianischen Küste.
Eine weitere neue Erfahrung für mich war das spontane und selbstentschiedene Reisen, die wir gemeinsam in unserer Freiwilligen-Gruppe gut gemeistert und schön gestaltet haben.
Besonders beeindruckt hat mich die Vielfalt, die wir in diesen drei Wochen erleben konnten: von großen Städten wie Nairobi und Mombasa, bis hin zu traumhafter Natur, wie der Küste, dem Regenwald oder „einfach“ Elefanten und Zebras als Ausblick auf Zug-/ Busfahrten.
Für eine weitere, etwas kürzere, Reise, haben wir das Oster-Wochenende genutzt. Diesmal haben wir Jinja, eine Stadt an der Quelle des Nils, besichtigt. Es war sehr schön die tolle Natur „drumherum“ und eine andere, im Vergleich zu Kampala deutlich ruhigere Stadt, kennenlernen zu dürfen.
Abschließend kann ich nur sagen, dass auch die letzten vier Monate wirklich toll und bereichernd für mich waren und wie unglaublich dankbar ich für die Möglichkeit bin diese Erfahrungen machen zu dürfen. Ich bin sehr gespannt auf die kommenden vier Monate.