"Besonders froh macht es mich, wie herzlich ich in jedem Team aufgenommen werde. Es fällt mir leicht mich auf mein Kollegial einzulassen, aber auch andersherum freut es mich, dass sich auf mich verlassen wird." Aenne, Uganda
Aenne, Einsatzzeit: 2024 bis 2025:Erfahrungsbericht Bishop Caesar Asili Hospital, Uganda
Mittlerweile sind vier Monate seit meines letztens Berichts vergangen. Die Zeit verfliegt und ich realisiere, dass ich viel mehr ein Gefühl für einen Alltag entwickelt habe, als es bei mir beim letzten Bericht bewusst gewesen wäre. Eine Art der Normalität kehrt ein. Es fällt mir leichter neue beziehungsweise andere Lebenssituationen anzunehmen. Doch die Dankbarkeit bleibt die Gleiche wie zuvor. Ja, ich freue mich über laufendes, warmes Wasser und ein funktionierendes Telefonnetz. Doch sehe es als genauso normal an, wenn es mal nicht funktioniert. Ich habe festgestellt, dass mich diese Kleinigkeiten nicht mehr stören, sie entschleunigen mich und das macht mich ziemlich glücklich. Zum Jahreswechsel veränderte sich meine Arbeitsposition im Krankenhaus. Von der stationären Pflege auf der Mutterschaftsstation wechselte ich in das "OPD" - Out Patient Department. Auch hier arbeitete ich für die nächsten drei Monate, von Januar bis Ende März. In diesem Zeitraum treffe ich auf Patienten, die eine ambulante Behandlung aufsuchen oder die, die als Notfall hereinkommen und im Verlauf stationär aufgenommen oder verlegt werden. Ich beschreibe es oft als eine Mischung aus Hausarzt und zentraler Notaufnahme. Das OPD besteht aus der Triage, zwei Tageskliniken, drei allgemeinmedizinischen Behandlungsräumen, der Orthopädie, dem Labor und der Pharmazie. Ich bin nicht direkt auf einen Bereich zugeteilt, sondern unterstütze dort, wo ich aktuell sinnvoll eingesetzt werden kann. Oft übernehme ich organisatorische Aufgaben; begleite Patienten zum Labor, nehme Ergebnisse entgegen und sorge somit für eine gewisse Kommunikationsebene zwischen aufgebenden Arzt, klinischem Assistenten, Laborant und/ oder Patient. Andernfalls übernehme ich kleinere Tätigkeiten wie Blutzucker- und Malariatest, das Blutdruck- oder Temperaturnehmen. Auch die folgende Dokumentation fällt dann in meinen Zuständigkeitsbereich. Es ist wichtig, die digitale Patientenakte auch in Hinsicht auf genutzte Materialien genau zu führen, da auch im OPD täglich eine Bestandsaufnahme an Verbrauschmitteln und Medikamenten durchgeführt wird. Diese Verantwortung trägt jeder Mitarbeiter und so auch ich, um für alle Notfälle auf medizinischer Sicht materiell ausgestattet zu sein. Ich überprüfe regelmäßig am Tag die Dokumentation und tätige die Bestellung an die Pharmazie. Am Anfang hatte ich ein wenig Schwierigkeiten vom geregelten Stationsablauf in die Ambulanz zu wechseln. Besonders wenn man sich bereits auf ein bestimmtes Team und Miteinander eingestellt hat. Doch genau daraus entstand eine neue Freude an dem nun erst Unbekannten und ich arbeitete mich schnell ein.
Abgesehen vom Wechsel der Station, reiste ich Mitte Februar bereits zum Zwischenseminar und traf dort auf alle aus unserer Organisation stammenden Freiwilligen des afrikanischen Kontinents. Es ist schön bekannte Gesichter wiederzusehen und vor allem ihre Geschichten und Erfahrungen außerhalb des medizinischen Bereichs wahrzunehmen. Die freie Woche und der Austausch tut wirklich gut. Wir feiern gemeinsam mein Geburtstag und ich lerne wertzuschätzen, wie toll und wichtig es ist, solch ein Gemeinschaftsgefühl aufbauen zu können. Dieses Gefühl wunderbare Menschen um mich herum zuhaben stärkt sich erneut, als ich im März mit meiner Mitfreiwiligen, einem ehemaligen Freiwilligen und unserer Hausmutter in ihre Heimat, in den Norden Ugandas, fuhr. Dort konnten wir ihre Familie und ihre Kinder besuchen. Es ist schön die Möglichkeit zu haben, ihr mit solch einem Besuch etwas zurückgeben zu können.
Drei Monate vergehen und zum Anfang des Aprils wechselte ich erneut mein Arbeitsplatz und rotierte auf die Männer- und Frauenstation. Hier arbeite ich das erste Mal in der Nachtschicht. Arzt auf Rufbereitschaft, medizinische Fachangestellte, Pflegekraft und ich reichen die nächtlichen Medikamente an, halten die Station stabil, überprüfen regelmäßig Vitalwerte und nehmen neue Patienten direkt auf. Wir warten auf den neuen Tag, reichen die morgendlichen Medikamente und übergehen an die nächste Schicht. Auch hier wird zuvor jeder Schritt dokumentiert und die Patientenakten werden gepflegt. Nach vier Tagen Nachtschicht folgen drei Tage frei vom Dienst, bevor ich wieder in den Tagesdienst übergehe. Anders zu meinen ersten Monaten in der Mutterschaft gibt es hier auf Station eine größere Vielfalt von Konditionen der Patienten, aber die Strukturen und Arbeitsabläufe bleiben die Gleichen. Es macht mich glücklich zu sehen, wie Patienten entlassen werden und ich Teil eines Teams sein darf, welches ihnen helfen kann.
Besonders froh macht es mich, wie herzlich ich in jedem Team aufgenommen werde. Es fällt mir leicht mich auf mein Kollegial einzulassen, aber auch andersherum freut es mich, dass sich auf mich verlassen wird. Auch außerhalb des Dienstes kann ich weiterhin enge Freundschaften halten und schließen. Wir besuchen gemeinsam Volksfeste oder es geht an meinen freien Tagen in den Garten und wir ernten frische Lebensmittel. Ich bin froh einen Platz in dieser Gesellschaft gefunden zu haben. Diesen Platz durfte ich meiner Familie zeigen, als diese mich Mitte April besuchen kamen. Es ist etwas Besonderes, ihnen mein Leben hier zu zeigen. Wie ein Rollenwechsel. Ich bringe ihnen ein selbständiges und ganz anderes Dasein als zuhause nah und das macht mich stolz.
Meine Dankbarkeit (für diesen Freiwilligendienst) steht all dem weiterhin voran.