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Jana, Einsatzzeit: 2024 bis 2025:Erfahrungsbericht Green State, Tansania

Wenn ich auf meinen ersten Bericht zurückblicke, fällt mir auf, dass ich damals bereits geschrieben habe, in Moshi angekommen zu sein. Rückblickend würde ich sagen, dass das auch stimmte – zumindest für diesen Zeitpunkt.

"Viele Dinge, die vor einigen Monaten noch völlig neu waren – Wasserprobleme, Stromausfälle oder organisatorische Unsicherheiten – gehören inzwischen einfach zu meinem Alltag. Man versteht manchmal erst im Rückblick, wie viel man in dieser Zeit eigentlich gelernt hat, weil vieles im Alltag längst selbstverständlich geworden ist. Vor allem aber habe ich das Gefühl, mich hier selbst gefunden zu haben. Ein Teil von mir steckt inzwischen in diesem Land." Jana, Tansania

Vom Beobachter zum Teil der Community

Wenn ich auf meinen ersten Bericht zurückblicke, fällt mir auf, dass ich damals bereits geschrieben habe, in Moshi angekommen zu sein. Rückblickend würde ich sagen, dass das auch stimmte – zumindest für diesen Zeitpunkt. Trotzdem merke ich heute, einige Monate später, dass ich damals erst am Anfang dieses Prozesses stand. In den vergangenen Monaten hat sich vieles verändert. Viele Abläufe sind inzwischen selbstverständlich geworden, gleichzeitig habe ich das Gefühl, mich selbst stark verändert zu haben. Ich fühle mich sicherer, selbstständiger und komme mit vielen Situationen deutlich besser zurecht als noch zu Beginn meines Freiwilligendienstes.

Vor allem habe ich das Gefühl, inzwischen wirklich Teil meines Umfelds geworden zu sein. Beziehungen haben sich vertieft, vieles fühlt sich vertrauter an und ich merke immer häufiger, dass ich hier nicht mehr nur beobachte, sondern aktiv dazugehöre. Genau diese Entwicklung hat die vergangenen Monate geprägt.

Zwischenseminar in Uganda

Im Februar fand unser Zwischenseminar in Uganda statt. Aufgrund von Problemen mit meinem Visum konnte ich nicht gemeinsam mit den anderen Freiwilligen anreisen und musste später nachreisen. Dadurch verbrachte ich die lange Reise gemeinsam mit meinem Mentor Imma. Diese ungeplante Situation hatte auch etwas Positives. Wir hatten viel Zeit für Gespräche und konnten uns deutlich besser kennenlernen. Unsere Beziehung wurde dadurch enger und ich merkte, wie wichtig es manchmal ist, einfach Zeit miteinander zu verbringen und offen miteinander zu reden.

Das Seminar selbst war für mich vor allem deshalb wertvoll, weil ich viele der anderen Freiwilligen wiedersah und wir uns über unsere bisherigen Erfahrungen austauschen konnten. Gleichzeitig bot es die Möglichkeit, die vergangenen Monate zu reflektieren und die verbleibende Zeit des Freiwilligendienstes bewusster in den Blick zu nehmen.

Rückblickend finde ich es spannend, wie viele Dinge sich seitdem verändert haben. Damals sprachen viele Freiwillige darüber, dass sie sich engere Beziehungen zu Menschen vor Ort wünschen würden. Auch ich kannte dieses Gefühl. Zwar hoffte ich, im Laufe meines Freiwilligendienstes noch tiefere Kontakte zu knüpfen, gleichzeitig hätte ich damals nicht gedacht, wie sehr sich mein Alltag und meine Beziehungen in den folgenden Monaten noch verändern würden.

Heute habe ich das Gefühl, Menschen gefunden zu haben, die mir wichtig geworden sind und mit denen ich viele besondere Erinnerungen verbinde. Menschen, zu denen ich gerne zurückkehre und auf die ich mich freue, wenn ich wieder nach Moshi komme. Gerade deshalb zeigt mir der Rückblick auf das Zwischenseminar, wie viel sich seitdem entwickelt hat.

Außerdem erinnert mich diese Entwicklung daran, was Green State für mich inzwischen ausmacht. Hier passieren immer wieder Dinge, die zunächst ungeplant, chaotisch oder sogar etwas überfordernd wirken. Oft wird man plötzlich in Situationen geworfen, mit denen man nicht gerechnet hat. Während mich das am Anfang meines Freiwilligendienstes manchmal frustriert hat, sehe ich es heute anders. Viele der Erfahrungen, die mir damals gefehlt haben oder die ich mir gewünscht habe, sind genau durch solche unerwarteten Situationen entstanden. Rückblickend haben sich viele Dinge, die ich damals kritisch gesehen habe, ins Positive entwickelt und gerade daraus konnte ich besonders viel lernen.

Osterprojekt im Waisenhaus

Nach dem Zwischenseminar begannen direkt die Vorbereitungen für unser Osterprojekt im Waisenhaus. Wie bereits an Weihnachten studierten wir gemeinsam mit den Kindern ein Theaterstück ein, das später in einer deutschen Gemeinde aufgeführt wurde.

Da zwischen unserer Rückkehr aus Uganda und der Aufführung nur etwa zwei Wochen lagen, probten wir in dieser Zeit nahezu täglich mit den Kindern. Im Gegensatz zum Christmas Play an Weihnachten mussten wir dieses Mal das Stück selbst schreiben, die Lieder mit den Kindern einstudieren, Requisiten organisieren, Stoff für die Kostüme besorgen, die Kostüme entwerfen und anfertigen lassen sowie viele organisatorische Aufgaben übernehmen. Dadurch war der Arbeitsaufwand deutlich höher als beim Weihnachtsprojekt.

Besonders wichtig war uns diesmal nicht nur das Auswendiglernen der Texte, sondern auch das Schauspiel selbst. Da die Kinder die deutsche Sprache nicht verstanden, versuchten wir die Geschichte vor allem durch Schauspiel, Mimik und Gestik verständlich zu machen. Rückblickend finde ich, dass uns das sehr gut gelungen ist.

Die täglichen Proben hatten aber noch einen weiteren positiven Effekt. Dadurch, dass wir jeden Tag gemeinsam Zeit verbrachten, wurde unsere Beziehung zu den Kindern deutlich enger. Gleichzeitig konnten die Kinder ihre Texte viel sicherer lernen als an Weihnachten und traten am Ende mit deutlich mehr Selbstvertrauen auf. Während wir beim Christmas Play teilweise noch einspringen mussten, weil Texte vergessen wurden, lief die Aufführung an Ostern deutlich selbstständiger ab.

Trotzdem brachte das Projekt auch Herausforderungen mit sich. Unsere Mentoren konnten uns diesmal deutlich weniger unterstützen als an Weihnachten. Vor allem Dani war bereits eine Woche vor der Aufführung nach Kenia gereist, um Studierende auf ein Theaterfestival vorzubereiten. Gleichzeitig kam es immer wieder vor, dass Kinder noch in der Schule waren oder kurzfristig Aufgaben im Haushalt übernehmen mussten, ohne dass dies vorher kommuniziert wurde. Oft erfuhren wir erst vor Ort, dass wichtige Rollen gerade nicht verfügbar waren. Dadurch mussten wir regelmäßig spontan umplanen.

Auch innerhalb unseres Freiwilligenteams führte der hohe Arbeitsaufwand zeitweise zu Stress. Jeder hatte eigene Vorstellungen davon, wie bestimmte Dinge umgesetzt werden sollten, und nicht immer lief alles nach Plan. Das hat mich emotional teilweise belastet. Gleichzeitig habe ich gelernt, besser mit Stresssituationen umzugehen und Konflikte nicht mehr so stark an mich heranzulassen.

Trotz aller Herausforderungen war das Osterprojekt für mich eine sehr wertvolle Erfahrung. Ich habe gelernt, mehr Verantwortung zu übernehmen, selbstständiger zu arbeiten und auch in stressigen Situationen ruhig zu bleiben. Besonders deutlich wurde mir meine persönliche Entwicklung während der Aufführung in der Kirche. Während es mir an Weihnachten noch unangenehm gewesen war, vor vielen Menschen zu sprechen, fiel mir das diesmal ziemlich leicht.

Kommunikation als Herausforderung

Eine der größten Herausforderungen meines Freiwilligendienstes ist das Thema Kommunikation. Dabei geht es nicht nur um Sprache, sondern auch um unterschiedliche Arten der Kommunikation. Ich habe festgestellt, dass hier oft anders kommuniziert wird, als ich es aus Deutschland gewohnt bin. Informationen werden häufig indirekt weitergegeben oder manchmal gar nicht ausgesprochen. Dadurch entstehen Missverständnisse oder Unsicherheiten.

Besonders bei Projekten wie dem Osterstück oder später auch rund um die Reise nach Kenia hat mich das zeitweise belastet. Kurzfristige Planänderungen, fehlende Informationen und Missverständnisse führten immer wieder zu Frustration.

Gleichzeitig lerne ich immer mehr, mit diesen Unterschieden umzugehen. Missverständnisse belasten mich inzwischen deutlich weniger als noch zu Beginn meines Freiwilligendienstes. Ich versuche, Situationen nicht sofort persönlich zu nehmen und gelassener auf Veränderungen zu reagieren. Dadurch gehe ich heute deutlich entspannter mit vielen Situationen um als noch vor einigen Monaten.

Reise nach Kenia 

Eine besonders prägende Erfahrung war für mich unsere Reise nach Kenia im April. Gemeinsam mit Hanna, meiner Mitfreiwilligen, besuchte ich unseren Mentor Dani an der Multimedia University of Kenya. Dort unterstützte er Studierende bei der Vorbereitung eines Theaterstücks für das 64. Kenya National Drama and Film Festival.

Für uns war es sehr spannend, die Proben und später auch die Aufführung mitzuerleben und dabei neue Erfahrungen zu sammeln. Gleichzeitig verbrachten wir sehr viel Zeit mit Dani, wodurch auch unsere Beziehung deutlich enger wurde. Die Reise hat mich persönlich wahrscheinlich stärker verändert als jede andere Reise während meines Freiwilligendienstes.

Während der gesamten Zeit war ich von Studierenden umgeben und sprach fast ausschließlich Englisch. Vorher hatte ich oft Angst, Fehler zu machen oder mich nicht richtig ausdrücken zu können. In Kenia hatte ich gar keine andere Wahl, als einfach zu sprechen. Rückblickend war das wahrscheinlich einer der wichtigsten Schritte für mein Selbstvertrauen. Seitdem fällt es mir deutlich leichter, Englisch zu sprechen, und ich mache mir deutlich weniger Gedanken darüber, ob alles perfekt ist.

Am meisten beeindruckt hat mich jedoch das Theaterstück selbst. Es war das erste Mal in meinem Leben, dass ich ein Theaterstück wirklich emotional erlebt und genossen habe. Ich saß während der Aufführung im Publikum, habe mitgefiebert und war komplett von den Emotionen mitgerissen. Es gab lustige, berührende und emotionale Szenen und die Studierenden haben unglaublich gut geschauspielert und gesungen.

Noch heute habe ich einzelne Szenen, Zeilen, Lieder und Melodien aus dem Stück im Kopf. Diese Erfahrung hat mich sehr berührt und mir gezeigt, welche Wirkung Theater und Kunst auf Menschen haben können.

Fußballprojekt und Alltag in Moshi

Mittlerweile hatte das geplante Fußballcamp unseres Senior Teams bereits begonnen. Ein Teil der Spieler wohnte während dieser Zeit bei uns im Haus. Dadurch verbrachten wir über mehrere Wochen hinweg sehr viel Zeit miteinander. Im Haus war immer etwas los. Es wurde gemeinsam gekocht, Fußball gespielt, Dart gespielt, Musik gehört und einfach das Zusammenleben genossen.

Besonders das gemeinsame Kochen hat mir neue Erfahrungen ermöglicht. Zum ersten Mal habe ich regelmäßig lokale Gerichte mit zubereitet und gelernt, auf offenem Feuer zu kochen. Diese Zeit hat meine Verbindung zum Fußballprojekt deutlich verändert. Während ich zu Beginn meines Freiwilligendienstes nur wenig Kontakt zu den Teams hatte, kenne ich inzwischen viele der Spieler persönlich. Dadurch gehe ich heute noch viel lieber zu den Spielen und fiebere deutlich stärker mit als früher.

Gleichzeitig haben sich in dieser Zeit meine Swahili-Kenntnisse deutlich verbessert. Durch die vielen Gespräche habe ich jeden Tag gelernt. Besonders stolz bin ich darauf, dass ich inzwischen endlich die Uhrzeiten auf Swahili verstehe und selbst benutzen kann – etwas, das mir lange schwergefallen ist.

Auch die tansanische Musik habe ich während dieser Zeit noch einmal ganz neu kennengelernt. Da im Haus fast ständig Musik lief, wurde sie nach und nach zu einem festen Bestandteil meines Alltags. Inzwischen höre ich selbst deutlich mehr tansanische Musik und verbinde viele Erinnerungen an meinen Freiwilligendienst damit. Außerdem begann ich, häufiger selbst am Training teilzunehmen. Das hat nicht nur Spaß gemacht, sondern auch mein Selbstvertrauen gestärkt.

Unser geplantes Mädchenfußballprojekt

Gemeinsam mit meiner NGO planen wir aktuell den Aufbau einer Mädchenfußballmannschaft. Ziel des Projekts ist es, Mädchen die gleichen Möglichkeiten zu bieten wie Jungen und einen sicheren Ort für Sport, Gemeinschaft und persönliche Entwicklung zu schaffen. Fußball soll dabei nicht nur Bewegung fördern, sondern auch Werte wie Respekt, Fairness, Disziplin, Teamgeist und Verantwortungsbewusstsein vermitteln.

Sobald die Schulen nach den Ferien wieder öffnen, möchten wir das Projekt in Kaloleni vorstellen. Kaloleni ist eine Community innerhalb von Moshi, aus der auch unsere bisherigen Fußballspieler stammen und mit der wir bereits seit längerer Zeit zusammenarbeiten.

Gerade deshalb empfinde ich die Zeit mit den Spielern als besonders wertvoll. Ich habe viele von ihnen inzwischen persönlich kennengelernt und freue mich darauf, zukünftig gemeinsam mit derselben Community an diesem neuen Projekt zu arbeiten. Gleichzeitig hat das Fußballcamp meine Vorfreude auf das geplante Mädchenfußballprojekt noch einmal deutlich verstärkt. Sobald das Projekt richtig gestartet ist, werde ich im nächsten Bericht ausführlicher über die ersten Erfahrungen, Herausforderungen und Entwicklungen berichten.

Eigenständigkeit, Lieblingsorte und Community

Auch abseits der Arbeit habe ich gemerkt, wie sehr sich mein Alltag verändert hat. In den vergangenen Monaten habe ich gelernt, viele Dinge alleine zu unternehmen – und vor allem habe ich gelernt, wie gut mir das tut. Oft war ich gemeinsam mit anderen Freiwilligen unterwegs. Dabei habe ich mich häufig eher im Hintergrund gehalten. In den letzten Wochen habe ich jedoch gemerkt, wie wichtig es für mich ist, auch alleine unterwegs zu sein, eigene Erfahrungen zu machen und manchmal bewusst aus meiner gewohnten Rolle herauszutreten.

Ich gehe inzwischen gerne alleine in die Stadt, erledige Besorgungen oder verbringe Zeit an meinen Lieblingsorten. Menschen erkennen mich wieder, sprechen mich mit meinem Namen an oder erinnern sich daran, was ich beim letzten Mal gekauft habe. Solche Momente zeigen mir, dass ich längst nicht mehr nur als Fremde wahrgenommen werde.

Besonders gern verbringe ich Zeit am Fluss. Schon in den ersten Monaten meines Freiwilligendienstes waren wir dort häufiger. Durch die Zeit mit unseren Fußballern habe ich diesen Ort jedoch noch einmal ganz neu kennengelernt und lieben gelernt. Inzwischen gehe ich oft auch alleine dorthin, um nachzudenken, zu entspannen oder an meinen Berichten zu schreiben.

Donnerstage, Billard und weitere Entwicklungen

Ein weiterer fester Bestandteil meines Alltags sind nach wie vor die Donnerstage im Jackfruit Café, wo unsere Band regelmäßig Musik macht.

Besonders in Erinnerung bleiben wird mir ein Abend, an dem wir unsere Fußballspieler mit ins Jackfruit Café genommen haben. Die Stimmung war unglaublich. Es wurde getanzt, gelacht und gemeinsam gefeiert. Für mich war es wahrscheinlich der schönste Jackfruit-Abend meines bisherigen Freiwilligendienstes. Solche Momente sind es, die mir noch lange im Gedächtnis bleiben werden und die ich später mit nach Deutschland nehmen werde.

Die anschließenden Bonfires bei uns zu Hause finden aufgrund von Lärmbeschwerden inzwischen jedoch nicht mehr statt. Das ist schade, weil diese Abende früher ein wichtiger Treffpunkt waren und die Donnerstage heute anders aussehen als noch vor einigen Monaten.

Stattdessen gehen wir inzwischen häufig Billard spielen. Anfangs hatte ich noch nie Billard gespielt, mittlerweile habe ich große Fortschritte gemacht. Besonders in Erinnerung bleibt mir ein Billardspiel, bei dem ich nicht nur fünf von sieben Kugeln versenkt habe, sondern erstmals auch die schwarze Kugel – und damit tatsächlich das Spiel gewonnen habe. Das ist mir vorher noch nie gelungen.

Neben all diesen Erlebnissen gehören auch die alltäglichen Aufgaben weiterhin zu meinem Freiwilligendienst. Die Renovierungsarbeiten an unserem Haus sind nach wie vor nicht abgeschlossen und beschäftigen uns weiterhin.

Außerdem konnten wir erste Erfahrungen im Umoja Center sammeln. Gemeinsam mit unserem Fußballteam besuchten wir außerdem das Gabrielle Center, eine weitere Einrichtung für Menschen mit Beeinträchtigungen. Dort fand ein Fußballturnier statt, an dem unser Team teilgenommen hat.

Gemeinschaft, Veränderung und Ausblick

In den vergangenen Monaten habe ich außerdem gemerkt, wie wichtig Gemeinschaft hier ist. Vieles ist persönlicher und enger als in Deutschland. Es wird viel mehr geteilt – Dinge, Räume und Alltag. Was mir gehört, gehört oft auch anderen und umgekehrt. Nachbarn nehmen sich selbstverständlich Dinge, genauso wie wir bei ihnen. Diese Offenheit schafft eine Nähe, die ich aus Deutschland so nicht kenne. Es gibt weniger Distanz zwischen Menschen, vieles wirkt selbstverständlicher und gemeinschaftlicher.

Menschen grüßen sich hier, egal ob sie sich kennen oder nicht. Man sagt sich selbstverständlich Hallo, und Gespräche entstehen oft so, als würde man sich schon lange kennen. Diese kleine Geste hat hier auch etwas mit Respekt zu tun. Man zeigt damit, dass man die andere Person wahrnimmt und sie gesehen hat. Genau das macht für mich einen großen Unterschied zu dem, was ich aus Deutschland kenne. Auch im Alltag habe ich erlebt, dass Nachbarn einfach ins Haus kommen – fast so als würde es ihnen genauso gehören wie uns. Am Anfang hat mich das ehrlich gesagt oft irritiert. Ich habe mich gefragt, ob das hier einfach normal ist und habe nach und nach verstanden, dass es Teil der offenen Gemeinschaft ist.

Besonders in einem Umfeld wie Green State, das bewusst als offenes Community Center funktioniert, gehört diese Offenheit dazu. Trotzdem war es für mich ungewohnt, und auch heute überrascht es mich manchmal noch, wenn plötzlich jemand im Haus steht und einfach da ist. Gleichzeitig habe ich gelernt, damit umzugehen und es als Teil des Alltags zu verstehen. In Deutschland wäre diese Form von Offenheit kaum vorstellbar.

Je länger ich hier lebe, desto stärker merke ich außerdem, wie sich meine Beziehungen zu den Menschen vor Ort verändert haben – sowohl zu den Kindern im Waisenhaus als auch zu den Mitarbeitenden von Green State und zu unseren Fußballspielern. Menschen verbringen mehr Zeit miteinander, Beziehungen entwickeln sich oft intensiver und man wird schneller Teil einer Gemeinschaft. Besonders schön finde ich es zu beobachten, wie Menschen nach und nach offener werden und wie sich Beziehungen mit der Zeit vertiefen.

Allgemein merke ich, wie sehr mich die vergangenen Monate verändert haben. Nach Reisen habe ich oft das Gefühl, als würde ich als ein anderer Mensch zurückkommen. Gleichzeitig ist alles noch wie vorher, und genau dadurch merke ich erst, wie sehr ich mich selbst verändert habe.

Zum ersten Mal denke ich inzwischen auch manchmal wieder an Deutschland. In den ersten Monaten hatte ich dieses Gefühl kaum. Heute freue ich mich manchmal auf Zuhause. Gleichzeitig möchte ich aber noch gar nicht zurück. Ich habe das Gefühl, dass noch viele Erfahrungen vor mir liegen und dass ich noch lange nicht alles erlebt habe, was ich hier erleben möchte.

Viele Dinge, die vor einigen Monaten noch völlig neu waren – Wasserprobleme, Stromausfälle oder organisatorische Unsicherheiten – gehören inzwischen einfach zu meinem Alltag. Man versteht manchmal erst im Rückblick, wie viel man in dieser Zeit eigentlich gelernt hat, weil vieles im Alltag längst selbstverständlich geworden ist.

Vor allem aber habe ich das Gefühl, mich hier selbst gefunden zu haben. Ein Teil von mir steckt inzwischen in diesem Land. Genau deshalb wird der Abschied vermutlich nicht leicht werden. Vielleicht gehört genau dieses Gefühl zu einem Freiwilligendienst dazu: Dass sich vieles erst im Rückblick wirklich einordnet und man erkennt, wie stark man sich verändert hat, während es im Alltag längst normal geworden ist.

Hauptsächlich nehme ich aber aus den vergangenen Monaten das Gefühl mit, nicht mehr nur Beobachterin zu sein. Ich habe das Gefühl, Teil einer Gemeinschaft geworden zu sein, Beziehungen aufgebaut zu haben und mir hier ein Stück Zuhause geschaffen zu haben.

Genau das macht diese Zeit für mich so besonders.