Meine ersten Monate in Uganda
Seit Anfang September bin ich jetzt in Kampala, der Hauptstadt von Uganda und hatte schon etwas Zeit, mich sowohl in meiner Einsatzstelle als auch im alltäglichen Leben einzugewöhnen.
Vorbereitung in Deutschland
Die Vorbereitungsseminare (zwei Stück, insgesamt 14 Tage) haben mich inhaltlich auf viele verschiedene Aspekte vorbereitet. Es gab viele themenspezifische Einheiten zu Themen wie Gefühle-und Selbstfürsorge, globales Lernen, grenzachtender Umgang, die Rolle als Freiwillige*r, Motivation und Erwartungen, Sicherheit, Gefahren und Risiken. Mir hat es sehr viel an Sicherheit gegeben, dass man ein paar der Mitfreiwilligen auf den beiden Vorbereitungsseminaren im Juni und August schon kennenlernen konnte.
Abseits der Vorbereitungsseminare, die von der Entsendeorganisation IN VIA organisiert wurden, habe ich als Teil der Vorbereitung ein einwöchiges Praktikum an einer Förderschule absolviert. Der Förderschwerpunkt der Schule ist körperlich und motorische Entwicklung, also ähnlich wie der meiner Einsatzstelle. Hier konnte ich erste Einblicke in den Schulalltag gewinnen. Außerdem gehörten zur Vorbereitung viele organisatorische Dinge, wie zum Beispiel Impf- und Arzttermine, Visabeantragung und generell das Beantragen von verschiedenen Dokumenten.
Ankunft in Uganda
Bei unserer Ankunft am Flughafen wurden wir von unserem Landesmentor Sam abgeholt. Die erste Woche in Uganda hatten wir eine Einführung, die von Claire, einer Mitarbeiterin von UPA (die ugandische Partnerorganisation von InVia) abgehalten wurde. Hierbei wurden uns wichtige Informationen und Regeln mitgegeben. Beim ersten Besuch des Stadtzentrums von Kampala wurden wir von zwei Guides begleitet. Generell war am Anfang alles neu und ungewohnt. Der Verkehr, die Kultur, das Essen. Aber mit der Zeit kann man sich echt gut eingewöhnen. Ich wohne hier auf dem Gelände von UPA mit zwischen 10 und 15 Mitfreiwilligen (vor allem deutschen, aber auch internationalen) in einem Guesthouse. Ich wohne zusammen mit zwei anderen in einem Zimmer. Obwohl die Wohnsituation zu Beginn ungewohnt war, mag ich es mittlerweile sehr gerne. Man verspürt ein richtiges Gemeinschaftsgefühl.
Freizeitgestaltung
Die Freizeitgestaltung ist hier sehr vielseitig. Oft spielen ich und andere Mitfreiwilligen mit Locals Fußball und einmal die Woche gehe ich mit einer Mitfreiwilligen zum Kickboxen-Training. Auch kulturell gibt es hier sehr viel zu bieten, Konzerte und Musikangebote. Generell verbringe ich sehr viel Zeit mit meinen Mitfreiwilligen, wir machen Unternehmungen in Kampala oder spiele zu Hause Kartenspiele.
Meine Einsatzstelle und Tätigkeiten
Meine Einsatzstelle ist die “Kampala School For The Physically Handicapped” (KSPH). Die KSPH wurde 1969 als Projekt der Uganda Spastics Society (einer einheimischen gemeinnützigen Organisation) gegründet. Die Gründungsmitglieder der Gesellschaft hatten selbst Kinder mit Zerebralparese und sich daher zum Ziel gesetzt, die Lebensqualität und Rehabilitation von Kindern mit dieser Erkrankung zu verbessern. Seitdem wurde die Schule kontinuierlich erweitert.
Die Vision der Kampala School For The Physically Handicapped ist es, eine Gesellschaft zu erreichen, in der alle Menschen auch die Menschen mit Behinderungen umfassend gebildet sind und zur nationalen Entwicklung beitragen können. Die Schule wird von ca. 130 Kindern, sowohl mit körperlicher als auch geistiger Behinderung, im Alter von 6 bis 21 Jahren besucht. Die KSPH ist eine Boarding-School, das bedeutet, dass die Schüler*innen auf dem Schulgelände leben und nur in den Ferien zu ihren Familien nach Hause fahren. Die Schule ist eine Grundschule (Primary school) mit den Klassen Primary 1 bis Primary 7. Für Schüler*innen, die im Anschluss keine weiterführende Schule (Secondary school) besuchen können, werden im Vocational Department praktische Aktivitäten, wie beispielsweise Nähen oder Töpfern angeboten. Das Gelände der KSPH ist groß und sehr grün. Es gibt mehrere Gebäude auf dem Gelände. Drei Gebäude beherbergen die Dorms (Schlafplätze) der Schüler*innen, in zwei Gebäuden befinden sich die Klassenräume, dann gibt es ein “Mensagebäude” und in einem Gebäude findet der Computerunterricht statt. Dort befindet sich auch das Vocational Department und das Rehabilitation Department.
Die Mitarbeiter*innen der KSPH umfassen die Direktorin, die Lehrer*innen, den Staff der Rehabilitation und Vocational, die Köch*innen, die Krankenschwester, die Reinigungskräfte, die Hausmütter der Schüler*innen und vielen Freiwilligen (national, aber auch international). Mein Alltag in der KSPH ist sehr vielfältig. Jeden Tag (außer mittwochs) komme ich gegen 8 Uhr zur Schule und gehe bis zur Frühstückspause (10:30 Uhr) in meine zugeteilte Klasse, die Primary 3. In der Klasse sind ca. 12 Schüler*innen mit ganz unterschiedlichen körperlichen und geistigen Behinderungen. Aufgrund der individuellen Fähigkeiten der Schüler*innen hat mir die Klassenlehrerin der P3 eine eigene Lerngruppe zugewiesen. Die Schüler*innen lernen in dieser Gruppe mit meiner Assistenz vieles spielerisch und durch Visualisierung von Lerninhalten. Die Schüler*innen unterstütze ich bei der Bearbeitung von individuell angepassten Arbeitsblättern, beim Kennenlernen und Sortieren von Formen und beim Bearbeiten von Ausmalbildern. Zudem spielen wir viele Spiele, die verschiedene Bereiche der
Kinder fördern. Ich kann sehr viele eigene Ideen einfließen lassen. Die Schüler*innen, die dazu in der Lage sind, werden von der Klassenlehrerin in verschiedenen Schulfächern unterrichtet. In Zeiten wo Abschlussexamen geschrieben wurden (vergleichbar mit Klassenarbeiten/Klausuren in Deutschland) habe ich diese mit einzelnen Schüler*innen bearbeitet. Nicht jede Person in der Klasse bearbeitet diese Exams. Nach der Pause gehe ich vier Tage in der Woche zur Physiotherapie (Rehabilitation) und helfe dort mit. Am Anfang wurde ich eingeführt, sodass ich mittlerweile schon mit den mir zugeteilten Schüler*innen physiotherapeutische Übungen durchführen kann. Ich mache zum Beispiel mit vielen Schüler*innen Übungen, die zur Verbesserung der Feinmotorik beitragen sollen. Generell bin ich in der Gestaltung der Physiotherapie recht frei. In der Mittagspause esse ich immer in der Schule, es gibt Posho und Bohnen (an besonderen Tagen Reis). Nach der Mittagspause gehe ich wieder zur Physiotherapie oder manchmal auch mit den Ingenieursstudenten in den Werkstattcontainer, wo Rollstühle u.ä. repariert werden. Jeden Mittwoch komme ich bereits um 7:30 Uhr zur Schule und arbeite mit der Krankenschwester zusammen. Jeden Morgen treffen bei dieser verletzte oder kranke Schüler*innen ein. Ich kann hierbei bei der “Registrierung” und Tabletten/Medikamenteausgabe helfen. Jeden Mittwochnachmittag kommen externe Freiwillige zur Schule und bieten für fast alle Schüler*innen in der “MainHall” Kunstunterricht an. Hier entstehen beeindruckende gemeinsame Kunstprojekte der Schüler*innen.
Generell fühle ich mich sehr wohl an der KSPH und merke, wie ich immer mehr das Gefühl habe, mich gut eingelebt zu haben. Sowohl die Schüler*innen, als auch das gesamte Kollegium/Staffteam sind superfreundlich und offen.
Allgemeines Wohlbefinden
Gerade habe ich Weihnachtsferien. Weihnachten haben wir gemeinsam hier bei UPA gefeiert und alle zusammen gekocht. An Silvester waren wir in Entebbe am Viktoriasee. Die Zeit war ganz anders als sonst in Deutschland, aber sie war total schön. Mitte Januar stehen hier in Uganda die Präsidentschaftswahlen an. Diese Zeit ist immer ein bisschen chaotisch und bürgt manchmal Gefahren, deswegen reise ich mit ein paar anderen Freiwilligen gemeinsam nach Kenia.
Insgesamt ist mein allgemeines Wohlbefinden sehr gut. Ich habe mich hier gut eingelebt und
fühle mich sehr wohl. Ich merke wie sich der Blick auf die Dinge vor Ort mit der Zeit ändert und wie ich im Umgang mit alltäglichen Herausforderungen (z.B. Auffallen als weiße Person) immer selbstsicherer werde. Ich genieße die Zeit hier sehr und bin sehr dankbar dafür, diese Erfahrungen sammeln zu dürfen.