In der letzten Ferienwoche haben meine Mitfreiwillige und ich uns ein kleines Ferienprogramm für drei Geschwisterkinder, die verwaist sind und bis zum Grundschulabschluss permanent an der Schule leben, überlegt. Einmal sind wir beispielsweise zu einem Park mit Spielfläche und Spielplatz gefahren und haben dort eine tolle Zeit zusammen verbracht.
Eva, Einsatzzeit: 2024 bis 2025:Erfahrungsbericht Mengo Youth Development Link (MYDEL), Uganda
"Insgesamt habe ich das Gefühl in den letzten Monaten sowohl bei der Arbeit als auch in meiner Freizeit absolut angekommen zu sein und hier wirklich zu leben. Inzwischen hätte ich mir auch vorstellen können noch länger zu bleiben, aber es heißt ja so schön: „Man soll gehen, wenn es am schönsten ist“" Eva, Uganda
Der dritte Abschnitt meines Freiwilligendienstes in Uganda
Im Mai hatte ich nochmal drei Wochen Schulferien, die ich zum Reisen genutzt habe. Zusammen mit meinen Mitfreiwilligen ging es für eine Woche nach Kigali, die Hauptstadt von Ruanda. Wir haben viel unternommen und unter anderem die Genozid-Gedenkstätte vom Völkermord im Jahr 1994 besichtigt. Dort wurde mir deutlich, wie stark das Ereignis in Ruanda noch nachwirkt und wie präsent es noch ist, da der Völkermord erst 31 Jahre her ist. Besonders bewegend fand ich die Zeugnisse und Aussagen der Überlebenden. Die Vermieterin unserer Unterkunft ist ebenfalls Genozid Überlebende und berichtet nun öffentlich über ihre schrecklichen Erlebnisse in dieser Zeit. Dadurch haben die Geschehnisse von 1994 viel nahbarer und realer gewirkt. Insgesamt habe ich Kigali als sehr geordnet, entspannt und sicher wahrgenommen. Im Anschluss haben wir noch fünf Tage am Lake Mutanda, ein See im Süden Ugandas, verbracht. Ich habe dort auch schon im April mit meiner Familie Urlaub gemacht und dadurch war es sehr schön die Leute dort wiederzusehen. Allgemein finde ich ist das einer der schönsten Orte Ugandas um in der Natur zu entspannen. Als ich wieder nach Kampala zurückgekehrt bin, musste ich mich erstmal wieder einleben, da ich fast 6 Wochen nicht zuhause war. Ich hatte den gesamten April Besuch aus Deutschland und im Mai war ich direkt in Ruanda unterwegs. Zu Beginn hat mich besonders das Sicherheitsthema beschäftigt. Ich habe viel mit den anderen Freiwilligen, denen es ähnlich ging, darüber geredet, mich an die Vorsichtsmaßnahmen, wie im Dunkeln nicht allein unterwegs sein oder die Bauchtasche versteckt tragen, gehalten und glücklicherweise ist mir auch nichts Schlimmes passiert.
In der letzten Ferienwoche haben meine Mitfreiwillige und ich uns ein kleines Ferienprogramm für drei Geschwisterkinder, die verwaist sind und bis zum Grundschulabschluss permanent an der Schule leben, überlegt. Einmal sind wir beispielsweise zu einem Park mit Spielfläche und Spielplatz gefahren und haben dort eine tolle Zeit zusammen verbracht. Die Kinder konnten mal richtig Fußball spielen, wir haben zusammen Karten gespielt und das Highlight waren die kleinen Affen, die dort rumgelaufen sind. Die Kinder haben es richtig genossen, aus dem Schulgelände und der Umgebung dort rauszukommen.
Endlich hat dann auch die Schule wieder begonnen. Nach diesen Ferien hatten wir einen sehr guten Start und konnten unsere vorherigen Aufgaben wieder aufnehmen. In der ersten Woche gab es noch keinen Unterricht, weil die Kinder nach den Ferien immer eine Woche Zeit haben zurück zur Schule zu kommen. Dadurch hatten wir Freiraum, Aktivitäten für die schon anwesenden Schüler*innen zu planen. Wir haben beispielsweise Gesellschaftsspiele gespielt, gebastelt und ich habe den größeren Kindern eine Choreographie mit Bechern zum „Cup-Song“ beigebracht. Als dann der richtige Unterricht losging, konnten wir glücklicherweise unsere Routinen und Tätigkeiten von vor den Ferien beibehalten. Meine Mitfreiwillige und ich haben weiterhin Mathe und Englisch in der zweiten und dritten Klasse unterrichtet. Dies hat auch hervorragend geklappt, da wir die Kinder kannten und alle gegenseitig aufeinander abgestimmt waren.
In Bezug auf die Nachmittagsbetreuung hat sich unser Tätigkeitsbereich erweitert. Wir haben einen Tanzlehrer organisiert, der seit Juni ein- bis zweimal wöchentlich Tanzunterricht anbietet. Die Kinder haben unglaublich viel Spaß daran und viele von ihnen sind auch sehr talentiert. Diese Aktivität wird auch im nächsten Term weiterlaufen, wenn wir nicht mehr da sind. Außerdem findet im 2. Term jeden Schuljahres ein Fußballtraining für die Jungen und Netballtraining für die Mädchen statt. Dort bereiten sich die Schüler*innen der dritten bis zur siebten Klasse für ein Turnier zwischen einigen Schulen aus Nansana vor. Während die Älteren trainiert haben, haben meine Mitfreiwillige und ich mit den Jüngeren Bewegungsspiele gespielt.
Zusätzlich haben wir Geld für die Installation einer Grundwasserpumpe an der Schule gesammelt. Unser Chef hat uns darauf aufmerksam gemacht, dass eigentlich jede Schule in Uganda fließendes Wasser haben sollte und hat uns daraufhin gefragt, ob wir für unsere Schule etwas dazu beitragen könnten. Wir haben beschlossen, dass wir gerne unterstützen möchten, um die Lebensqualität der Kinder und Lehrer*innen durch einen Wasseranschluss zu verbessern. Daraufhin haben wir ein Fundraising gestartet und damit genug Spenden gesammelt um eine Grundwasserpumpe zu finanzieren. Die gesamte Schulgemeinschaft ist sehr dankbar für die Installation. Auch Nachbarn und die Familien der Schüler*innen dürfen sich dort Wasser holen, wodurch ein Mehrwert für die gesamte Community geschaffen werden konnte.
In meiner Freizeit habe ich in den letzten vier Monaten auch nochmal viel unternehmen können. Unter der Woche bin ich weiterhin regelmäßig zum Schwimmtraining an der Universität gegangen. Außerdem habe ich angefangen einmal wöchentlich Badminton zu spielen. Die Bewegung tat mir sehr gut. Leider hat sich die Jazzband, in der ich mitgewirkt habe, etwas zerlaufen. Der Dirigent musste aufgrund fehlender finanziellen Mittel für den Probenraum, die Probe oft absagen. Darüber hinaus fand die Probe abends statt und manchmal ich habe mich unsicher gefühlt allein im Dunkeln nach Hause zu fahren. Das war zwar sehr schade, aber ich habe ja zum Glück ein paar andere Hobbys gefunden. Zusätzlich bin ich sehr gerne in die Innenstadt gefahren und habe das pulsierende und wuselige Leben beim Shoppen genossen. Mit über 50.000 Verkäufern eignet sich der „Owino Markt“ perfekt zum Kaufen von allen möglichen Produkten - von Lebensmitteln und Tieren bis zu Kleidung und Haushaltsbedarf gibt es dort wirklich alles. Ein Freund hat mir mal gesagt, wenn du etwas suchst und es auf dem Owino Markt nicht findest, wird es das Produkt vermutlich in ganz Uganda nicht geben. Am Wochenende war ich mit meinen Mitfreiwilligen und ugandischen Freunden auch öfter mal feiern und wir haben gemütliche Abende in lokalen Bars und Restaurants verbracht. Es war immer eine sehr entspannte Atmosphäre, um mit vielen Ugandern ins Gespräch zu kommen.
Wir haben die letzten Wochenenden auch nochmal zum Entdecken Ugandas genutzt. Im Juli habe ich mit ein paar Mitfreiwilligen zwei Tage auf einer Insel im Viktoriasee verbracht. Dort haben wir mit dem „Boda Boda“ (Motorrad) eine kleine Rundfahrt um die Insel gemacht.
Der 16. Juli war nochmal ein besonderer Tag für mich, da ich meinen Geburtstag das erste Mal ohne meine Familie und Freunde verbracht habe. Da ja jede*r von uns einmal in Uganda Geburtstag hat, haben wir bei UPA unsere kleine Geburtstagstradition eingeführt, dass die anderen dem Geburtstagskind als Überraschung den Tag planen. Meinen Geburtstag haben wir in einem Resort am Pool verbracht und abends haben wir alle zusammen noch ein Krimidinner gemacht. Für mich war es ein wunderschöner Tag, den ich sehr gut in Erinnerung behalten werde.
Insgesamt habe ich das Gefühl in den letzten Monaten sowohl bei der Arbeit als auch in meiner Freizeit absolut angekommen zu sein und hier wirklich zu leben. Inzwischen hätte ich mir auch vorstellen können noch länger zu bleiben, aber es heißt ja so schön: „Man soll gehen, wenn es am schönsten ist“ Somit ging in den letzten drei Wochen so langsam der Abschied los. In dem Rahmen standen noch sehr viele schöne Events an. Im August haben wir mit unseren ganzen ugandischen Freunden ein Abschiedswochenende auf einem Campingplatz verbracht. Somit konnten wir tagsüber am Strand oder beim Kochen und abends beim Feiern am Strand nochmal viel Zeit zusammen verbringen. In der letzten Woche stand dann der Abschied in der Schule an. Wir haben eine kleine Tanzaufführung für die Familien der Kinder organisiert. Es wurden die einstudierten Choreografien vom Tanzunterricht und die Lieder, zu denen wir mit den Kindern getanzt haben, wie „Macarena“ oder der „Cup-Song“ präsentiert. Die Eltern waren begeistert und es war interessant die Familien der Schüler*innen kennenzulernen. Als Erinnerung an uns haben wir jedem Kind ein Foto von sich mit einem kleinen Brief und ein selbstgemachtes Armband geschenkt. Sie haben sich sehr darüber gefreut und haben uns auch ganz viele Briefe mit lieben Worten geschenkt. Der Abschied war für alle sehr emotional. Es ist unglaublich komisch und surreal nun einfach den Schlussstrich ziehen zu müssen und nicht zu wissen, ob man die Kinder nochmal wiedersehen wird. Anders als meine ugandischen Freunde haben sie leider kein Handy über das wir in Kontakt bleiben können.
Am gleichen Tag fand dann noch unsere selbstorganisierte Abschiedsparty bei uns zuhause statt. Alle Freiwilligen haben ihre Freunde eingeladen und dadurch hatten wir eine bunte, lustige Gesellschaft.
Am 21.8. ging es am Abend dann tatsächlich los zum Flughafen. Der Rückflug hat das gesamte Jahr so fern gewirkt und war auch an dem Tag absolut surreal. Selbst als wir uns als allerletztes von unserem Securityguard und unserer Hausmutter verabschiedet haben, konnte ich es immer noch nicht begreifen.
Ich bin unendlich dankbar für die Erfahrungen und Erlebnisse, die ich in Uganda machen durfte. Vielen Dank nochmal an euch, dass ihr mir dieses Jahr ermöglicht habt. Nun freue ich mich auf mein Studium und besonders auf die Semesterferien, damit ich ganz bald nach Uganda zurückkehren kann.